Meine Fußball-WM

Sonntag, 9. Juli 2006

Abschied

Es ist Zeit, Abschied zu nehmen. Die WM nähert sich ihrem Ende. Schön wars, aber jetzt ist ja auch gut. Und gefeiert haben wir, als wären wir Weltmeister.

Aber alle schönen Dinge haben mal ein Ende. Metzelder wird sich wieder rasieren (hoffe ich für ihn), Meyer-Vorfelder verschwindet für eine gewisse Zeit wieder vom Bildschirm (Danke!), Xavier Naidoo jammert die Jungs nicht mehr zur Niederlage und Olli geht.

Das wäre doch der richtige Zeitpunkt für einen radikalen Schnitt, Herr Kahn. Ich meine, Sie müssen jetzt doch nicht mehr mit der Zahnbürste durch die Stadt, Verena ist doch nun die Ihre, da können sie das gute, alte Erinnerungsstück, mit dem Sie gestern schon wieder das Stadion betreten haben, eigentlich abgeben, oder? Ich gönne jedem seinen Geschmack, aber dieser häßliche beige-braune Kulturbeutel gehört meiner Meinung nach vielleicht ins Deutsche Sportmuseum, aber auf keinen Fall mehr unter den Arm dieses Torhüters.

Und falls sich jemand findet, wo mir hilft...wir sammeln auch für den Titan sein neuen Kulturbeutel, gell?

Mittwoch, 5. Juli 2006

Der Tag danach

Heute morgen bin ich aufgewacht und habe kurz überlegt, ob ich es wohl nur geträumt habe. Aber die Nacht war viel zu kurz zum Träumen. Und der Kopf viel zu leer.

Dabei war alles so gut geplant. Freunde zu Gast bei der Welt, habe ich mir gedacht. Und das Halbfinale ganz international geplant. Public Viewing in einer spanischen Kneipe im belgischen Viertel von Köln auf einem japanischen Flachbildschirm. Und drei Italiener trauten sich auch in die Menge.

118 Minuten Bangen und Zittern, Singen und Klatschen, Anfeuern und Sich-Mut-machen ("uns Poldi macht dat schon"). Und der Wirt freute sich noch so über den guten Getränkeabsatz. Und dann von einer Sekunde auf die andere: Stille. Bewegungsstarre. Leere.

Der erste Gedanke: ...? Der zweite: Das Maskottchen-T-Shirt muss in die Wäsche. Kann es jetzt auch. Dann der Trotz: Allez les bleues! Go, Fi-Go, go! Völlig egal, nur schmeißt die Haarbändchen-Fraktion raus, die schon die Aussies völlig ungerecht aus dem Rennen geworfen hat. Hoffentlich werden die Italiener Vize-Weltmeister (ist doch auch ein schöner Titel).

Wenn ich gewusst hätte, dass das gestern Mittag mein vorerst letztes Eis gewesen wäre, ich hätte zwei Bällchen genommen!

Sonntag, 25. Juni 2006

Goletta!

Talent, Taktik, Treffsicherheit - seien wir doch mal ehrlich: Was Fußballer wirklich brauchen, um Tore zu schießen, sind Maskottchen. Aber was haben wir seit Goleo gelernt? Sie sollten gut angezogen sein!

Rosa ist fest entschlossen, der deutschen Elf zu helfen. Besser gesagt, sie hat es schon getan. Sie ist ein WM-Maskottchen. Und immer, wenn sie ihr T-Shirt trägt (und, na was für 'ne blöde Frage, natürlich trägt sie im Gegensatz zum komischen Löwen eine Hose), gewinnen die Deutschen. Also Jungs, schön rennen und Tore schießen, ich laufe weiterhin so für Euch durch die Welt:

11freundinnen

Donnerstag, 22. Juni 2006

Fußball-Poesie, ganz nüchtern

Aussies weiter, da finde ich keine eigenen Worte! Aber wozu gibt es Poesie-Automaten?

WM Begegnung Kroatien - Australien 2:2:

Kroatien - Australien:
Kroatien.
Kroatien. Australien.
Kroatien. Australien. Kroatien.
Kroatien. Australien. Kroatien. Australien.
Einstand.

Mittwoch, 21. Juni 2006

Rosarot

Als ich heute morgen aufgewacht bin, habe ich mir als erstes die Augen gerieben, sie gaaaaanz langsam geöffnet und glücklich festgestellt: Die Welt ist bunt.

Denn noch gestern war ich davon überzeugt, sie ist rot. Denn ganz Kölle war rot. Aber nicht nur rot, sondern selbstverständlich auch weiß. Gut, das sind Farben, die Köln das ganz Jahr über trägt. Aber Geißböcke treten dann doch nicht in solchen Horden auf. Denn die Engländer waren überall. Auf den Poller Wiesen zum Zelten (und zum Schwimmen im Rhein, netter Ausblick, wenn man dort momentan täglich im Stau steht), vor der Deutzer Leinwand (jetzt den Blick von der Severinsbrücke bitte nach rechts wenden), auf der Domplatte, im Hotel gegenüber vom Büro, selbst am Himmel flatterte ein rotes Banner hinter einem Flugzeug.

Und sagen wir mal - wenn ganz Kölle Durscht hat, dann nur deshalb, weil die Engländer den Großteil der zumindest alkoholischen Getränke verputzt hat. Zumindest den, den die kleinen blau-gelben Flecken in der Menge übrig gelassen haben. Das Wikinger bekanntlich ein gutes Fassungsvermögen für Spirituosen jeder Art haben, habe ja wohl nicht nur ich schon einmal auf einer Fähre zwischen Dänemark und Deutschland festgestellt. Und wer es noch nicht wusste, konnte es gestern beobachten.

Aber immerhin weiß ich jetzt, wie sich Engländer, Iren und Australier fühlen, wenn ihnen mal wieder ein Tourist völlig unvermittelt vors Auto springt, weil man auf der "falschen" Seite fährt. Meine Nacht endete damit, dass ich schon wieder rot sah (die Bremse wahrscheinlich auch). Aber der Engländer hatte glücklicherweise beschlossen, dass das Fässchen in seinem Arm zu wertvoll sei, um auf einer Kühlerhaube zu landen. Und ich stehe nun mal nicht auf Beckham. Soll er doch bei jemand anders zur Kühlerfigur werden.

Sonntag, 11. Juni 2006

Nachruf

Sie war so stolz, doch noch. Ihre besten Jahre glaubte sie schon in einer Schublade verschlafen zu haben, während die ausländischen Kolleginnen, vor allem die amerikanische, die Welt zu sehen bekamen. Aber in Deutschland war sie halt nicht wirklich beliebt. Die schicken Griechinnen in blau-weiß hatten vor zwei Jahren ihren großen Auftritt, vor vier Jahren durften die Türkinnen in unzähligen Autos mitfahren. Fast hätte die kleine Schwarz-Rot-Goldene ihre Hoffnung schon vollkommen aufgegeben. Doch mit dem 9. Juni kam ihre unerhoffte, große Chance.

Jeder wollte sie haben: Fürs Fenster, für einmal quer über die Straße und fürs Auto. Und der Traum der kleinen, deutschen Fahne wurde wahr. Endlich, endlich, die Fahnen-Fee hatte sie erhört. Aus den hintersten Ecken wurden die dreifarbigen Stoffe hervorgeholt, plötzlich war die kleine deutsche Flagge etwas Wert, an jeder Tankstelle zu haben und durfte tun, wofür sie bestimmt war: Fähnchen im Winde sein.

Nur leider hatten die deutschen Autofahrer mit der WM 2006 zwar ihren Stolz auf Schwarz-Rot-Gold wiederentdeckt, aber ihnen fehlte halt die Erfahrung. Aber wer fragt hier heutzutage schon gern die Amerikaner nach ihren Erfahrungen. Hätten deutsche Autofahrer es getan, hätten sie gewusst, dass kleine Fähnchen gerne im Wind flattern, aber nicht bei 180 km/h auf der Autobahn.

Nun liegt sie wieder da, beziehungsweise einfach nur rum, auf dem Mittelstreifen der A3. Vergessen, verdreckt - aber zumindest nicht allein. Denn auf dem Mittelstreifen reihen sich immer mehr Fähnchen aneinander. Und bald wird es aussehen wie ein Wegweiser für den deutschen Mannschaftsbus. Aber wer weiß, vielleicht flattern sie noch hin und wieder aufrecht, wenn das deutsche Team schon längst den Kopf hängen lässt. Wir werden dich nicht vergessen, kleine Deutschlandfahne. Und vielleicht gewinnen wir dich als Mahnmal auf der Autobahn vielleicht sogar lieb.

Freitag, 9. Juni 2006

Jetzt geht's los!

Das Public-Viewing-Stadion auf dem Münsterplatz steht, auf dem Posttower leuchten Fußbälle und ich habe meinen Tipp abgegeben. Die WM kann kommen, dachte ich heute morgen - erfreut. Dann kam sie. Und ich wollte nur noch nach Hause.

Mein WM-Auftakt fand in Bornheim-Roisdorf statt. Nicht, dass man diese trostlose Ecke wirklich kennen müsste. Es ist scheinbar eine beliebte Ecke für "Personenschäden" und das, obwohl die Deutschen noch gar nicht gespielt hatten (sorry, aber ich bin eben nicht immer pietätvoll). Nun gut, nix ging mehr, außer den rund 200 Passagieren, die eigentlich nach Köln, Düsseldorf, Duisburg oder Wesel wollten. Die gingen nämlich - erst einmal zur nächsten Straßenbahn-Haltestelle, manche auch wieder zurück. Und das begleitet von schwarz-rot-goldenen Fähnchen, Schlachtrufen und Humba-Humba-Gesängen. Roisdorf erwacht!

Höfliche Menschen würden nun sagen, ich sei so vertrauenserweckend. Ich bin realistisch und weiß: Ich bin einfach großschnäuzig genug, deshalb schließen sich mir andere an (ich weiß auch nicht wohin, also mir nach). Daher wurde ich - nach einigen englischen Wegbeschreibungen für ein paar Japaner, warum bin ich nicht Volunteer geworden? - von einer leicht eingeschüchterten Araberin, die erst seit drei Tagen in Bonn Deutsch lernt, und einer kleinen Französin ("ier lange nach Duisbourge?" Ich liebe diesen Akzent) ausgewählt, voran durch Roisdorf zu laufen, umgeben von hessisch-babbelnden Horden (lauter geklonte Badesalz-Typen), deren T-Shirt-Spruch ich den Leidgenossinen dann lieber nicht übersetzt habe. Wie soll man auch in einer anderen Sprache erklären, dass die Welt zu Gast bei Freunden von vielen nur so verstanden wird, wie es das Pascha in Köln propagiert.

Kurzum: Nach einer Stunde praller Sonne, einer aus allen Nähten platzenden Straßenbahn, in der nicht einmal das kleinste Fässchen der Fans noch Platz gehabt hätte, und dem x-ten Absingen der Hymne, habe ich mich ganz entgegen aller guten Absichten entschieden, den Auftakt der WM ganz still und leise zu begehen. Und wenn mir heute noch einer quer kommt, werde ich zum Hooligan!

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