I want to go to Canada

Dienstag, 10. Oktober 2006

Kapitänin Ahab

Ich hab sie wirklich gesehen, die Wale. Einen, das hatte ich mir ja gewünscht. Bei 15 habe ich aufgehört zu zählen. Dabei hatte ich in der Nacht zuvor (wie immer vor solchen Situationen) noch verquere Träume.

Woher weiß ein Wal wohl, wann da Walfänger hinter ihm her sind und wann ihn zwar bewaffnete (mit Kameras), aber mehr oder minder harmlose Touristen jagen? Gut, die Größe der Schiffe, wird natürlich jeder logisch denkende Mensch antworten (danke, danke, ich kenne die Kommentare). Aber es gibt noch einen wesentlichen Unterschied. Ich glaube, ein Wal - und mir ist bewusst, dass es sich um ein sehr, sehr intelligentes Lebewesen handelt - hält diese kleine Nussschalen für ungefährlich, weil sie 1. nur einen Schwanzschlag standhalten würden und 2. zumindest auf den ersten Blick ja nur mit einem Haufen roter oder gelber (je nach Cruiser-Firma) Bojen beladen sind.

Seien wir mal ehrlich: Mit einem dicken Roll-Pulli, einer Fleece-Jacke, einer Regenjacke und darüber die Schutzbekleidung in Form einer Latzhose und einer Regenjacke samt eingenähter Schwimmweste (und das alles braucht man auf dem schweinekalten St. Lorenz-Strom/Atlantik) macht man auf niemanden mehr den Eindruck eines grazilen Wesens. Vielmehr versucht man/frau nur noch einigermaßen unauffällig zu dem Schiff zu rollen. Auf dem schließlich auch nur der Kopf und bei Fotoabsichten die Hände zu bewegen sind.

Ich bin durch die Vermittlung nicht auf einem Mini-Schlauchboot für 10 Personen gelandet, sondern glücklicherweise auf der hölzernen Nussschale für 20 Neugierige, die ausgerechnet genau an diesem Tag unmittelbar (ca. 5 Meter) neben drei Walen trieb. Jaja, treiben kommt hier nicht von Übertreiben. Denn wenn der Kapitän (oder sonstwer auf dem Boot) Wale ausgemacht hat, schippert man auf sie zu und dann wird der Motor ausgemacht, bis sie auftauchen.

Als erstes hört man sie: Ein prusten wie zerplatzende Wasserschläuche, dann schießen die Wasserfontänen aus dem Wasser. Und dann glänzen die Rücken samt Flosse im Sonnenlicht. So schnell kann man/frau gar nicht fotografieren. Vor allem nicht wenn sie Rosa heißt und zwischenzeitig immer mal wieder vor lauter Begeisterung in hypnotische Zustände verfällt. Aber auf den Videoauslöser habe ich immerhin einmal gedrückt.

Wie faszinierend die Kraft von Wasser sein kann, habe ich ja schon unter den "Donnernden Wasser" der Niagara-Fälle festgestellt. Aber die Giganten, die darin so scheinbar schwerelos gleiten - da fällt mir nur ein Wort einer Mitreisenden ein "formidable". Da ich nämlich mit lauter Franzosen auf den Schiff war, haben wir nur nach "Baleines" Ausschau gehalten. Immer der Uhr nach. Das heißt, frau schreit laut "midi" (das konnte ich ja noch aus der Konservation mit dem Zimmermädchen), wenn sie einen Wal entdeckt. Wie die riesige Mama mit "bebe", die an uns vorbeischwamm. Oder dieser riesige Finnwal, der mindestens doppelt so groß war wie unser Boot. Was bei seinem Abtauchen neben (unter?) unserem Boot ein nettes Geschaukel verursachte.

Okay, ich glaube, die Wale wissen, dass da lauter Kapitäne Ahab drin sind. Aber in friedlicher Mission. Ansonsten würden sie diese kleinen, lustigen Spielzeuge mit den bunten Puppen der Babapapa-Familie eh einfach umschmeißen.

Montag, 9. Oktober 2006

Sehnsüchte... fern und nah

Was mir jetzt schon fehlt . . .
- rote Ahornbäume (überhaupt Herbst, wann fällt hier denn das Laub, damit ich beim Spazierengehen durch das frisch zusammenggekehrte hüpfen kann? So viel zum Kind in der Frau)
- Menschen, die mir lächelnd Parmesan über den Salat oder Pfeffer über das Essen streuen wollen
- das leise Rauschen des Lac Sacacomie (manchmal unterbrochen von einem landenden Wasserflugzeug, aber auch das Geräusch ist okay)
- das Gefühl: was ist Arbeit, wo war das noch einmal?
- Cafe au lait in den Gassen von Old Quebec
- Streifenhörnchen, Grau- und Schwarzhörnchen wo man läuft
- Warnschilder: Vorsicht Elche!
- Picknick am Two Lake River
- die Harbourfront von Toronto bei Sonnenschein
- das Kaminfeuer nach dem Spaziergang im Hotel Sacacomie
- heißer Kakao im Islandview Inn zur Begrüßung nach einer verregneten Autofahrt

Was ich ganz sicher nicht vermissen werde . . .
- Peanutbutter (das ist doch der größte Beschiss...riecht wie ein Snickers, schmeckt aber nach gar nichts und klebt einem den Gaumen zusammen)
- Montreal
- kanadische Bettdecken bzw. -laken
- unfähige Praktikanten bei Mietwagenfirmen
- das Algonquin Parkway Inn Motel
- Amerikanerinnen, die wahrscheinlich gerade nachdem sie ihren Burger runtergeschluckt haben, auf die gläserne Plattform des CN-Towers gehen und während andere Menschen einmal versuchen, mutig quer darüber zu gehen, ganz, ganz lustig sind und auf der Glasscheibe in über 400 Meter Höhe rumhüpfen!

Sonntag, 8. Oktober 2006

Der Kater danach

So, der Rausch ist vorbei. Tschüss Kanada, okay - hallo Deutschland. Ich wollte es ja nicht wirklich war haben. Aber nach dem ersten Erwachen daheim war die Ernüchterung groß und die Erkenntnis deutlich: Der Urlaub ist vorbei.

Gut, ich konnte im Schlafanzug gemütlich zum Frühstück schlurfen, das ging aus kulturpolitischen Gründen in Kanada natürlich nicht (wahrscheinlich wären sofort alle wirtschaftlichen, politischen oder sonstigen Bezehungen in dieses kleine Land abgebrochen worden, wenn sie glauben würden, alle Deutschen würden morgens so durch die Gegend laufen wie ich. Da kann ja nix produktives bei rum kommen). Aber ich war ja vorbereitet. Und kam morgens frisch geduscht, mit strahlendem Lächeln, zu Englischem und manchmal Französischem Small Talk bereit und in (fast noch) gebügelten Anziehsachen und (fast) weggebügelten Schlaffalten zum Frühstück. Und siehe da: Der Tisch war immer gedeckt.

Paradiesische Zustände: Liebevoll zusammengeschnippelter Obstsalat (ich liebe auswärts frühstücken und vor allem wegen dem Obstsalat), French Toast, amerikanisache Pfannkuchen, französischer Crepe, Cafe au Lait, Croissants, scrammbled eggs, Bagel... und ich musste mich nur hinsetzen und den Mund aufmachen.

Jetzt bin ich wieder Zuhause. Ich habe mich hingesetzt und den Mund aufgemacht. Außer einem sehr merkwürdigen Blick meines Gatten (der mir immerhin zuvor einen O-saft ans Bett gebracht hatte), passierte gar nichts.

Der Rausch ist vorbei, Zeit für den Kater. Aber heute gab es immerhin frische Brötchen - und ich habe sie nicht geholt!

Samstag, 30. September 2006

Rosa in Gelb...

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auf dem Weg zu den Walen

Wildnis, die Zweite

Gut, ich habe nun ja schon in Australien mit der Wildnis und ihren Bewohnern Erfahrungen gesammelt. Ich sollte also wissen, dass es mit den grossen, wilden Tieren ungefaehr so ist wie mit den Hunden die bellen. Oder so aehnlich. Immerhin die Angst vor Haien in Down Under war gluecklicherweise unbegruendet. Und so aehnlich ist es in Kanada.

Uaah, Baeren, habe ich gedacht. Bis ich dann gelesen habe, dass selbst die Ranger im Algonquin-Park mit Glueck ein bis zweimal im Jahr einen zu Gesicht bekommen. Der furchtsame Blick vor jedem sich bewegenden Strauch waehrend der Mountain-Bike-Tour durch den Wald war also grundlos. Okay, auf der Strasse zum Opeongo-See sei schon mal ein aggressiver Moose aktiv gewesen, erzaehlte unser Hausherr. Das Exemplar mit dem wunderschoenen schwarzen Fell und den riesigen Schaufeln, dass ich im Moor entdeckt habe, war eher gelangweilt. Mit kurzem, typisch-maennlichen Abschaetz-Blick von oben nach unten, dann gelangweiltes weiterkauen: Ich bin eben keine attraktive Elch-Kuh.

Wirklich gefaehrlich wurden dann aber die kleinen, ach so suessen Viecher. Ein wildes Streifenhoernchen hat mich im Wald mit Nuessen und Eicheln attackiert, weil ich unter seinem Baum stehen geblieben bin. Ich sage nur: klein, aber oha!

Freitag, 29. September 2006

Bi-, Tri-: Hauptsache Lingual

Fuenf Jahre Franzoesischunterricht. Okay, 15 Jahre mehr oder weniger Funkstille. Und wenn man es dann mal braucht, ist das einzige, was einem einfaellt (neben dem Tonfall des Lehrers), der Hinweis:

Tu parles français comme une vache espagnol.

Mal ehrlich, was soll ich damit in der kanadischen Wildnis anfangen?

Denn von wegen - zweisprachiges Land. Das mag ja in den Grossstaedten zutreffen, aber sagt mal einem Zimmermaedchen in den Bergen rund um Sacacomie auf Englisch, dass ihr um 12 abreisen werdet. Die schaut dann wirklich wie eine spanische Kuh aus.

Ich habe mich also doch getraut, meine mageren Franzoesisch-Kenntnisse hervorzukramen und siehe da - entweder die Quebecianer haben Erfahrung mit der franzoesischen Aussprache spanischer Kuehe oder mein Lehrer hatte unrecht. Bei "a midi" jedenfalls strahlte die Hotelangestellte und schob den Staubsauger weiter. Und nach zwei Tagen musste ich erkennen: Wenn ich will, verstehe ich das kanadische Franzoesisch sogar.

Nur in den Grossstaedten ist mein Kopf dann doch ueberfordert. Zumindest ist er nicht fuer das Springen zwischen drei Sprachen geschaffen. In Quebec, wo zumindest alle, die mit Touristen in Beruehrung kommen, wirklich zweisprachig sind, und einen in beiden Sprachen ansprechen, antworte ich im Geschaeft beispielsweise: "Non, merci, I don`t need un sac." Fuege noch schnell ein "ach Quatsch" hinterher und versuche es dann noch einmal ganz langsam - in nur einer Sprache. Und die Verkaeuferin denkt sich wahrscheinlich " oh lala, une vache d`allemagne".

Montag, 25. September 2006

Eben!

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Rosa sieht Rot

Es fing im Flieger an. Die LTU meinte wohl, die Passagiere kaemen nur wirklich fit und frisch in Toronto an, wenn sie sie im Flieger tiefkuehlfrieren wuerden. Und Rosa merkte es schon langsam aufsteigen. Sie weiss, wie sich rot werden anfuehlt - das durfte sie schon als Kind lernen, wenn sie gelogen hatte und die Roete langsam aufstieg. Ungefaehr so fuehlte es sich schon im Flieger an, nur dass Rosa genau merkte, diesmal verwandelte sich die Nase langsam. Und sie wuerde wohl als "Rudy, the red nose reindeer" ausgerechnet in Kanada, dem Land der Elche und Reindeers, ankommen. Danke, LTU!

Aber die Fluggesellschaft bot Hilfe an. In Form von - firmenfarbgerechten - knallroten Decken. In die huellte sich Rosa dann auch froestelnd acht Stunden lang. Um dann in Kanada nicht nur mit einer roten Nase, sondern auch mit total rot-verflusten Klamotten aus dem Flieger zu steigen.

Ganz in rot, schliesslich hatte ich das mit dem ganz in weiss schon hinter mir, begann ich also Toronto und Co. zu erkunden. Und sah schon wieder rot: All ueberall auf den Wurzelspitzen sah ich es nur noch rot blitzen. Ich wollte es ja kaum glauben, aber der Indian Summer ist wirklich kunterbunt, knacke gelb, orange, ein bisschen gruen und vor allem: rot. Der Anblick des Waldbodens konnte sogar manchmal blenden. Damit sich Rosa daran spaeter noch erinnert, hat sie wie zu Kindergartenzeiten ein Blatt aufgehoben und zum Trocknen in ein Buch gelegt.

Aber bevor sie dieses in sieben Jahren oder so mal wieder findet, entdeckt sie dann wahrscheinlich eher einen roten Flusel und sagt sich: "Ach, der ist von damals, als ich in Kanada war und ich als LTU-Fluse in das Land einreiste."

Sonntag, 24. September 2006

Rosa in Farbe

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Mittwoch, 20. September 2006

"Donnernde Wasser"

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